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SALZBURGER FESTSPIELE BLOG

Nachruf: Gerhard Andlinger

8 JÄN 2018

by FESTSPIELKIEBITZ  15:24 h;
veröffentlicht in: Allgemein

Gerhard Andlinger © Manfred Siebinger
Zu Weihnachten erhielten die Salzburger Festspiele die traurige Nachricht, dass Gerhard „Gerry“ Andlinger – Gründer und langjähriger Präsident der Salzburg Festival Society und großzügiger Mäzen der Festspiele – am 22. Dezember 2017 im 87. Lebensjahr- in New York verstorben ist.

„Mit Gerry Andlinger haben die Salzburger Festspiele einen echten Freund verloren“, trauert Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler. „Ihn gekannt zu haben war für mich ein menschlicher und für die Festspiele ein finanzieller Glücksfall. Nur dank seiner großzügigen Unterstützung gibt es im 2006 eröffneten Haus für Mozart die SalzburgKulisse mit ihrem einzigartigen Blick über die barocke Altstadt.“

Auch Heinrich Spängler, Präsident der Freunde der Salzburger Festspiele, zollte Andlinger höchsten Respekt: „Mit Gerry Andlinger hatte ich nicht nur einen idealen Partner als Chairman der Salzburg Festival Society in New York, sondern vor allem einen sehr guten, persönlichen Freund gewonnen. Er war eine großartige Unternehmerpersönlichkeit und ein liebenswerter Mensch.“

2005 gründete Gerhard Andlinger zusammen mit Isabelle Harnoncourt und John French die Salzburg Festival Society (SFS), in der die amerikanischen Freunde und Förderer der Festspiele vereint sind. Hervorgegangen aus den American Friends of the Salzburg Festival  kümmert sich die SFS um die Vermittlung klassischer Musik und finanziert Opernproduktionen der Salzburger Festspiele. So unterstützte die SFS etwa mit einer Million Dollar Nikolaus Harnoncourts letztes Opernprojekt bei den Festspielen, Mozarts Zauberflöte auf Originalinstrumenten  2012. Darüber hinaus zählt die Förderung junger Künstler ebenso zum Engagement der SFS wie englischsprachige Künstlergespräche. Damit pflegt die Salzburg Festival Society nicht nur die lange Tradition der Verbindung von zwei Kontinenten durch die Kunst, sondern trägt diesen Gedanken auch ins 21. Jahrhundert.

Gerhard Andlinger wurde 1931 in Linz geboren. 1948 reiste er als Gewinner eines Aufsatzwettbewerbes der „New York Herald Tribune“ für österreichische Schüler zum ersten Mal nach Amerika – „The World I Want“ war der wunderbare Titel. Eineinhalb Jahre später, im Alter von 19 Jahren, verließ Gerhard Andlinger erneut das Nachskriegs-Österreich, um in Princeton Wirtschaftswissenschaften und Arabisch zu studieren. Anschließend schloss er an der Harvard Business  School ein Master-Studium ab.

Nach seinem Dienst in der US-Armee begann er seine Karriere bei McKinsey & Company, wechselte bald zum US-Mischkonzern ITT, wo er sich rasch ins Management hocharbeitete. Im Jahr 1976 gründete er das Investmenthaus Andlinger & Company, das er zu einem Milliardenkonzern mit mehr als 100 Firmen und vielen tausenden Mitarbeitern auf allen fünf Kontinenten ausbaute. 

Der amerikanischen Tradition, Wissenschaft und Kultur durch privates Mäzenatentum zu fördern, sehr verbunden, unterstützte Gerhard Andlinger vor allem seine Alma Mater: „Princeton nimmt in meinem Herzen einen ganz speziellen Platz ein. Ich fühle mich privilegiert, dass ich in der Lage bin, dieser großartigen Universität und dem Land, das mir Heimat und eine Fülle an Möglichkeiten bot, etwas zurückzugeben.“

Wenn ihm etwas wichtig war, verfolgte es Gerry Andlinger hartnäckig. Nachdem seine erste Frau an Krebs starb, investierte er 100 Millionen Dollar in die Krebsforschung. Und auch nach dem frühen Tod einer seiner Söhne unterstützte er ein neues medizinisches Forschungsprojekt.

Auch die American Austrian Foundation, deren Ziel es ist, die Völkerverständigung zwischen Österreich und den USA durch Programme in Medizin, Musik, bildenden Künste, Diplomatie und Medien zu fördern, war dem erfolgreichen Austroamerikaner ein besonderes Anliegen.

„Als Mitgründer und Herz der Salzburg Festival Society war Gerry Andlinger der geborene Brückenbauer. Daher war ihm die jüngste Koproduktion zwischen den Salzburger Festspielen und der Metropolitan Opera New York eine besondere Freude. Gemeinsam besuchten wir am 26. Oktober 2017 die US-Premiere von „The Exterminating Angel“,  die preisgekrönte neue Oper von Thomas Adès, die zuvor schon in Salzburg und London riesigen Erfolg hatte. Und am 14. November beim traditionellen Fundraising Dinner der SFS bat Gerry Andlinger mit einer engagierten Rede um zusätzliche Unterstützung für die Salzburger Festspiele. Seine rhetorische Mischung aus sachlicher Kompetenz, Humor und Herzlichkeit machte jeden seiner Auftritte zu einem Erlebnis. Unser großes Mitgefühl gilt nun seiner Familie, vor allem seiner Frau Jeanne, die sein Engagement in Österreich immer verständnisvoll begleitete“, sagte Helga Rabl-Stadler.