anmelden | registrieren
EN  |  DE

BIOGRAFIE

Peter Stein

ist einer der bedeutendsten Schauspiel- und Opernregisseure Europas. Er wurde 1937 in Berlin geboren und studierte Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Frankfurt und München. Seine Theaterlaufbahn begann 1964 an den Münchner Kammerspielen als Assistent von Fritz Kortner. Seine erste eigene Produktion, Edward Bonds Gerettet im Jahr 1967, war ein unmittelbarer Erfolg. Bereits ein Jahr später wurde Stein infolge des Skandals, den seine kühne politische Interpretation von Peter Weiss’ Vietnam-Diskurs auslöste, fristlos entlassen. Über Zürich kam er 1969 nach Bremen, wo er seine legendäre Inszenierung von Goethes Torquato Tasso erarbeitete. 1970 ging er nach Berlin, wo er die Schaubühne am Halleschen Ufer mitbegründet hatte und erregte dort weithin Aufmerksamkeit: Zu seinen wichtigsten Inszenierungen dieser Jahre zählen Ibsens Peer Gynt, Kleists Prinz Friedrich von Homburg, Handkes Die Unvernünftigen sterben aus und Nigel Williams’ Klassenfeind. Seine Bearbeitung und Inszenierung von Aischylos’ Orestie aus dem Jahr 1980 (1994 in Moskau in russischer Sprache wiederaufgenommen) gilt als seine bedeutendste Arbeit überhaupt.
1985 beschloss Stein, fortan freischaffend zu arbeiten und inszenierte als Gastregisseur Opern und Theaterstücke für wichtige internationale Produktionen. Er feierte große Erfolge mit den Tschechow-Stücken Drei Schwestern (1984, noch für die Schaubühne), Der Kirschgarten (1989 sowie für die Salzburger Festspiele 1995) und Onkel Wanja (1996). Von 1992 bis 1997 leitete er das Schauspiel bei den Salzburger Festspielen. 2000 inszenierte Stein beide Teile von Goethes Faust für die Expo in Hannover – ungekürzt in 22 Stunden (Wiederaufnahmen in Berlin und Wien 2001). Weitere Riesenprojekte folgten 2007 mit Schillers gesamter Wallenstein-Trilogie als zehnstündiger Aufführung mit Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle und 2009 mit I Demoni nach Dostojewksi auf Steins Landsitz in San Pancrazio, eine Produktion, die anschließend auf Welttournee ging und 2010 mit dem Premio Ubu ausgezeichnet wurde.
Seine jüngste Schauspielarbeit bei den Salzburger Festspielen war 2010 Sophokles’ Ödipus auf Kolonos. 2013 inszenierte er Becketts Das letzte Band mit Klaus Maria Brandauer auf Schloss Neuhardenberg, Labiches Le Prix Martin am Théâtre de l’Odéon in Paris, Pinters Die Heimkehr beim Spoleto56 Festival dei 2Mondi und Shakespeares König Lear mit Brandauer am Wiener Burgtheater. Zu seinen Operninszenierungen der letzten Jahren zählen Tschaikowskis Mazeppa, Eugen Onegin und Pique Dame in Lyon (2006–2008), Dallapiccolas Il prigioniero und Bartóks Herzog Blaubarts Burg an der Mailänder Scala und in Amsterdam (2008), Bergs Lulu in Lyon (2009; Wiederaufnahmen in Mailand und Wien), Verdis Macbeth bei den Salzburger Festspielen und in Rom (2011), Schostakowitschs Die Nase in Zürich (2011) und Rom (2013), Don Carlo bei den Salzburger Festspielen 2013 und Aida am Stanislawski-und-Nemirowitsch-Dantschenko-Musiktheater in Moskau (2014).
Während seiner 45-jährigen Karriere wurde Peter Stein mit einer Vielzahl an Preisen und Auszeichnungen geehrt, darunter die Titel Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres und Chevalier de la Légion d’Honneur sowie der Orden Pour le Mérite. Die Universitäten von Edinburgh, Valenciennes, Salzburg, Rom und Jena verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Er ist Träger des deutschen Bundesverdienstkreuzes und des Ehrenzeichens des Landes Salzburg.

Stand: August 2014